Zukunft des kleinen Kindergartens: Albert-Schweitzer-Familienwerk wird Vertrag mit der Stadt Uslar kündigen

Uslar: Das Kinderdorf Uslar des Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. betreibt seit vielen Jahren seinen kleinen integrativen Kindergarten für die Stadt Uslar. Ein Teil dieser Kosten wird durch das Land Niedersachsen, den zuständigen Landkreis und durch Elternbeiträge (bei Kindern unter drei Jahren) gedeckt. Die Stadt Uslar übernimmt, bis auf einen vertraglich festgeschriebenen Trägeranteil von ca. 4.000 Euro, die Restkosten. Seit vielen Jahren finanziert der gemeinnützige Verein jährlich 4.000 Euro, um die schöne Aufgabe der Betreuung von Kindern aus dem Stadtgebiet in unserem Kindergarten wahrnehmen zu können.
 
Kostenbeitrag der Stadt sinkt weiter
Leider hat sich diese finanzielle Situation nun zu Un-gunsten des Familienwerks verändert. Die Stadt Uslar ist nicht bereit, die im Zusammenhang mit dem Betrieb des Kindergartens entstehenden Verwaltungskosten umfänglich zu übernehmen. Einrichtungsleiter Harald Kremser: „Intensive Verhandlungen sind in den vergangenen zwölf Monaten erfolglos verlaufen. Im Ergebnis sollen wir in erheblichem Maße weitere Verwaltungskosten, die im Rahmen des Betriebs des Kindergartens anfallen, übernehmen.“ Geschäftsführerin Astrid Walter fügt hinzu: „Der Betrieb des Kindergartens ist nun jährlich im fünfstelligen Bereich unterfinanziert. Als freier Träger der Jugendhilfe müssen wir aber darauf achten, dass alle Betriebsteile zumindest annähernd kostendeckend arbeiten können.“
 
Vertrag mit der Stadt wird gekündigt
Aus diesem Grund hat das Familienwerk entschieden, den Vertrag mit der Stadt Uslar zum Betrieb des Kindergartens zum 30.06.2022 zu kündigen. Harald Kremser: „Wir sind uns sehr unserer Verantwortung, insbesondere gegenüber den Kindern und unseren Mitarbeitenden bewusst.“ Die Verantwortlichen des gemeinnützigen Vereins suchen weiter das Gespräch mit der Stadt Uslar, um zu erreichen, dass auch über den 30.06.2022 hinaus die Kinder betreut werden können bis eine andere Lösung gefunden ist. Die Stadt Uslar plant bekanntlich einen neuen Kindergarten, so dass die Kinder nahtlos dorthin wechseln könnten. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Stadt Uslar gemeinsam mit dem Familienwerk eine finanzielle Lösung für diese Über-gangszeit findet. Das unterstreichen Harald Kremser und Astrid Walter.
 
Information an die Eltern
In einem persönlichen Brief wurden die Eltern der Kindergartenkinder über diesen für alle Beteiligten unerfreulichen Schritt informiert. Das Familienwerk reagiert frühzeitig, auch wenn eine konkrete Perspektive für die Zeit nach dem 30.06.2022 noch nicht gefunden wurde. Harald Kremser versichert, dass sich alle Verantwortlichen sehr dafür einsetzen werden, eine gute Perspektive für die Kinder zu finden.
 
Nachstehend die Stellungnahme der Stadt Uslar zu der Pressemitteilung des ASF:
Grundlage der Arbeit des Kindergartens ist der zwischen der Stadt Uslar und dem Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. (ASF) geschlossene Vertrag vom 15.05.1997. Dort ist, wie in den Verträgen mit den anderen Kindergartenträgern, geregelt, dass zu den Betriebskosten auch Verwaltungskosten gehören. Diese werden umsatzanteilig berechnet. Diese langjährige Berechnungsmethode hat das ASF ohne Absprache mit der Stadt Uslar geändert. Aus Gleichbehandlungsgründen mit den anderen Trägern hat die Stadt Uslar dieser Änderung der Berechnungsmethode nicht zugestimmt.
Die Stadt Uslar wäre auch berechtigt gewesen, den Vertrag zu kündigen, hat davon aber keinen Gebrauch gemacht. Die vielen Gespräche mit dem ASF haben zu keiner einvernehmlichen Lösung geführt, was seitens der Stadt Uslar sehr bedauerlich ist.
Die Stadt Uslar ist auch weiterhin an einem Betrieb des Kindergartens des ASF zu den „alten“ Bedingungen interessiert. Sollte es zu der Kündigung des Vertrages zum 30.06.2022 kommen, wird es zu einer einvernehmlichen Lösung für die Betreuung der Kinder kommen, bis diese in die neue KiTa übernommen werden.
Mit freundlichen Grüßen
Der Bürgermeister
im Auftrage
Dirk Rackwitz
Abteilungsleiter