Gemeinsam stark in der Krise: Super Idee vom Jugendcamp-Team!

 
Der Tag in einer Kinderdorffamilie und auch einer Wohngruppe des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs sieht vielfältig aus. Immerhin sind es bis zu sechs Jugendhilfekinder und manchmal noch die leiblichen Kinder der Kinderdorfeltern, die in einer Kinderdorffamilie zusammen leben. In einer Wohngruppe sind es sogar bis zu neun Jugendhilfekinder. Einige besuchen den Kindergarten, andere die Schule. Hausaufgaben und Lernzeiten, Spielnachmittage, Vereinsangebote, Terminwahrnehmung, Aufgabenverteilung, gemeinsame Essenszeiten und Unternehmungen bestimmten auch hier den Alltag vor der Corona-Krise. Jetzt gehen die Kinder und Jugendlichen nicht mehr zur Schule oder in den Kindergarten, sind ständig zuhause. Home-Schooling ist ein großes Thema an den Vormittagen, doch danach? Ohne Freunde und den Lieblingssport kommt recht schnell Langeweile auf. Es herrscht weitgehendes Kontaktverbot, die Spielplätze waren lange Zeit komplett geschlossen und überall da, wo man noch aufeinandertreffen kann, gelten Abstandsregeln. Die Frage, wie man da für sechs bis neun Kinder in einer Kinderdorffamilie einen interessanten und abwechslungsreichen Alltag gestalten kann, drängte sich mehr und mehr auf. Denn schließlich kann Langeweile ganz schön hartnäckig sein.

Die Lösung kam in Form von schwarzen Boxen mit spannendem Inhalt: Anleitungen zum Erstellen chinesischer Schriftzeichen, eine digitale Tanzchoreografie und noch so viel mehr. Hinter dieser „Black Box“ gegen Langeweile steckt eine ganze Geschichte:

„Wir müssen doch zusammen halten!“

Auch für das Team des Jugendcamps war es keine Frage, dass die Kinderdorffamilien und Wohngruppen in einer sehr schwierigen Phase steckten. Und weil im Jugendcamp gerade Ressourcen frei waren, entstand eine ganz besondere Idee. Normalerweise gastieren im Jugendcamp Schulgruppen, oft inklusive Übernachtung. Nah am Unterrichtsstoff bekommen die Camp-Teilnehmer, die in der Regel zwischen 8 und 12 Jahre alt sind, auf kreative, handwerkliche und anschauliche Weise erweitertes Wissen vermittelt. Die Wissensgebiete sind dabei breit gefächert: Von alltäglichen Dingen aus der Steinzeit über Besonderheiten der Ägypter bis hin zu internationalen Bräuchen reicht die Palette. Bis zu zwei Jahre im Vorhinein sind die begehrten Übernachtungsplätze im naturnahen Jugendcamp während der Saison ausgebucht. Eigentlich auch jetzt gerade…, wenn da nicht Corona wäre. Der Lock-Down hat auch das Jugendcamp-Team von jetzt auf gleich komplett ausgebremst. Eine ganz neue Erfahrung für Leiter Lutz Tappert und sein hochmotiviertes Team. Vier Festangestellte und knapp 40 Ehrenamtliche helfen sonst voll engagiert mit. Doch auch, wenn ein sofortiger Stillstand der Einrichtung Neuland ist, sind die Jugendcamp-Mitarbeiter dennoch krisenerprobt. Schnell schon wanderten ihre mitfühlenden Gedanken zu den Kollegen ins Kinderdorf, wo die Familien nicht einmal mehr untereinander Kontakt haben konnten, geschweige denn alltäglichen Beschäftigungen außerhalb des Kinderdorfgeländes nachgehen konnten. Kinder und Jugendliche, die es eh nicht leicht haben im Leben, waren nun an ihr Zuhause gefesselt. Auch wenn die Profi-Eltern bestens geschult und dazu noch erfahren sind: Superkräfte besitzt keiner! „Wir müssen doch zusammen halten!“ – ein Leitspruch, den sich das Jugendcamp-Team daraufhin auf die Fahne geschrieben hat und schon über einer Idee brütete: Etwas Neues, Spannendes – eine motivierende Aufgabe würde in den Familien und Wohngruppen sicher helfen, dachte man sich und gründete kurzerhand die „Grüne Schule“. Sie ist ein Projekt zur Unterstützung der Kinderdorffamilien und dortigen Wohngruppen und gliedert sich in zwei Teile.

Eine Black Box voller Tatendrang

Im ersten Teil erhielten die Familien und Wohngruppen bereits so genannte „Black Boxen“ aus dem Jugendcamp. Diese wurden dort mit viel Bedacht aus dem eigenen Materialraum gefüllt und enthalten genug Material für einen kurzweiligen Themennachmittag. Als erstes Thema wurde die Steinzeit gewählt. So fanden sich in der Box Materialien wie Ton und Stein, die nach beiliegender Video-Anleitung zu kleinen Schalen und Talismann-Schmuckanhängern von den Kindern und Jugendlichen im Kinderdorf verarbeitet wurden. Die Anleitungen zu den Handwerksprojekten werden übrigens mit Unterstützung einzelner Kinderdorffamilien und –Gruppen vor Ort selbst gedreht. Ergänzend zu dieser praktischen Aufgabe fand sich in der ersten Box das „Steinzeittagebuch“, welches nicht nur Platz für eigene Eintragungen bietet, sondern auch spannendes Wissen und sogar ein Quiz rund um die Steinzeitmenschen beinhaltet. Und als kleiner Bonus enthält jede Box ganz themenunabhängig auch noch eine Film-DVD für den gemeinsamen Filmabend. Für das richtige Kino-Gefühl auch zuhause, spendiert das Jugendcamp-Team mit jeder Box zudem etwas zu knabbern. Im Fall der Steinzeit-Box handelte es sich dabei um den Kinoklassiker Popcorn.

Solange die Schule also noch nicht wieder losgeht, wird jede Kinderdorffamilie und jede Wohngruppe des Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Uslar regelmäßig durch das Jugendcamp mit solch einer Box versorgt. Doch das Initiieren der Themenbox zum sinnvollen Zeitvertreib bietet den Kindern und Jugendlichen nicht einfach nur Abwechslung, sondern kommt obenauf mit einem Wettbewerbscharakter daher. Zusammen mit den Bereichsleitern des Kinderdorfs haben die Jugendcamp-Mitarbeiter nämlich beschlossen, dass so eine Box noch viel attraktiver und gemeinschaftstauglicher ist, wenn es nach Bearbeitung noch etwas zu gewinnen gibt. Und so vergeben die Erwachsenen Punkte auf einer Skala von 1 bis 10 für die Mühen, die die jungen Teilnehmer sich machen. Welche Gruppe oder Familie jeweils die meisten Punkte erreicht hat, wird mit einem Preis belohnt. Die Preise – zum Beispiel ein Wochenendausflug oder ein Kinogutschein - können dann hoffentlich bald schon eingelöst werden, wenn das Leben um uns alle herum wieder ein wenig mehr Normalität erhalten hat.

Endlich auch einmal rauskommen!

Der zweite Teil des Projekts „Grüne Schule“ startet sobald der Schulbetrieb wieder aufgenommen wurde und holt dann einzelne Familien und Gruppen raus aus ihrem >>Lagerkoller<< mitten auf das weitläufige Gelände des Jugendcamps. An einzelnen Feiertagen oder Wochenendtagen und selbstverständlich unter Berücksichtigung des Abstandsgebots werden dort gemeinsame Aktionen mit ganz viel Bewegung, Spiel und Spaß veranstaltet. Auch einzelne Ausflüge wie zum Beispiel zu einer Klettertour sind dann geplant.

 

HändemitselbstgemachtenArmbändernQuerformatKinderformenTonschalen freigeg